Vom Ton zur Skulptur
Jede Skulptur entsteht langsam im Dialog zwischen Hand, Material, Feuer und persönlicher Erfahrung. Schicht für Schicht aufgebaut, entwickeln sich die Formen intuitiv – getragen von Körpergedächtnis, Balance und der Unvorhersehbarkeit des Brennprozesses.
Keramiktechnik
Die Skulpturen von Brigitte Saugstad werden individuell von Hand aufgebaut und modelliert. Sie arbeitet mit unterschiedlichen keramischen Massen, darunter Feinsteinzeug und farbige Tonmassen.
Die Oberflächen bewahren die Spuren von Berührung und Feuer. Farbe, Ornament und Textur entstehen in einem intuitiven Dialog zwischen Ton, Glasur, Feuer und der Bewegung der Hand.
Unterglasurfarben und Glasuren werden in mehreren Schichten aufgetragen. Ausgewählte Arbeiten werden mit flüssigem Glanzgold für Keramik vollendet, das auf die glasierte Oberfläche aufgetragen und in einem dritten Brand mit der Glasur verschmolzen wird.
Einige Skulpturen integrieren Kristallelemente, andere entstehen in traditioneller japanischer Raku-Technik. Bestimmte Werke werden zusätzlich mit 23,5-karätigem Blattgold veredelt.
Ornament ist für mich keine Verzierung
Sprache.
Spur.
Landkarte.
Gedicht.
Melodie.
Schon im Eiskunstlauf hinterließ ich mit meinen Kufen Spuren auf dem Eis. Sprünge, Pirouetten und Schritte zeichneten Linien und Rhythmen in den Raum – getragen von Musik und Bewegung. Vielleicht begann dort mein Verständnis von Ornament.
Wie die Noten eines Musikstücks trägt Ornament Rhythmus und Bewegung in sich. Es verbindet Formen, lässt sie fließen und macht eine innere Bewegung sichtbar.
Beim Modellieren übertrage ich diese Bewegung in den Ton. Ornament entsteht dabei nicht als Dekoration, sondern wächst mit der Form. Es ist kein Zusatz, sondern Teil der Skulptur selbst.
Vom Eiskunstlaufen zum Modellieren übertrage ich innere Bewegung durch meine Hände in den Ton. Langsam findet das Objekt zu seiner Form und beginnt seinen eigenen Tanz.
Raku – Der Zauber des Raku
Raku hat seinen Ursprung im Japan des 16. Jahrhunderts und ist eng mit der japanischen Teezeremonie und den dafür geschaffenen Teeschalen verbunden.
Dem Töpfer, der diese Schalen entwickelte, wurde ein goldenes Siegel mit der Inschrift „Raku“ verliehen. Das Wort wird meist mit Glück, Freude oder Zufriedenheit übersetzt, und der Name wurde über Jahrhunderte innerhalb der Raku-Familie weitergegeben.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich Raku weit über Japan hinaus verbreitet. Heute greifen Künstlerinnen und Künstler weltweit die Technik auf und interpretieren sie auf ihre eigene zeitgenössische Weise neu.
Die Technik des Raku-Brennens
Ich modelliere meine Skulpturen aus grobkörnigem Schamott-Ton, einer keramischen Masse, die speziell dafür entwickelt wurde, extremen Temperaturschwankungen standzuhalten. Nach dem Trocknen werden die Arbeiten geschrüht und anschließend glasiert.
Beim Raku-Brand wird die rotglühende Skulptur bei etwa 1000 °C mit einer Zange aus dem Gasofen genommen und in eine mit Sägespänen gefüllte Metallkiste gelegt. Durch die intensive Hitze entzündet sich das Material, anschließend wird der Behälter luftdicht verschlossen.
Transformation im Rauch
Durch die schockartige Abkühlung entsteht ein feines Netz aus Rissen in der Glasur – das sogenannte Craquelé. Gleichzeitig bildet sich durch Rauch und Sauerstoffentzug eine reduzierende Atmosphäre, die mit den Metalloxiden der Glasur reagiert und feine Farbnuancen sowie metallische und irisierende Effekte hervorbringt.
Der Rauch dringt in die feinen Risse der Glasur ein und hinterlässt dort dunkle Kohlenstoffspuren, die das zarte Craquelé sichtbar machen.
Unikat im Feuer
Nach dem Abkühlen wird jede Skulptur sorgfältig gereinigt. Nur das feine Craquelé und die unglasierten Bereiche bewahren ihre dunklen Kohlenstoffspuren.
Das Feuer lässt sich niemals vollständig beherrschen. Es folgt seinen eigenen Gesetzen und macht jeden Brand einzigartig. Jede Skulptur entsteht so als Unikat – geformt im Dialog zwischen Ton, Feuer und Zufall.
