Vom Ton zur Skulptur
Jede Skulptur entsteht langsam im Dialog zwischen Hand, Material, Feuer und persönlicher Erfahrung. Schicht für Schicht aufgebaut, entwickeln sich die Formen intuitiv – getragen von Körpergedächtnis, Balance und der Unvorhersehbarkeit des Brennprozesses.
Keramiktechnik
Die Skulpturen von Brigitte Saugstad werden individuell von Hand aufgebaut und modelliert. Sie arbeitet mit unterschiedlichen keramischen Massen, darunter Feinsteinzeug und farbige Tonmassen.
Die Oberflächen bewahren die Spuren von Berührung und Feuer. Farbe, Ornament und Textur entstehen in einem intuitiven Dialog zwischen Ton, Glasur, Feuer und Bewegung.
Unterglasurfarben und Glasuren werden in mehreren Schichten aufgetragen. Ausgewählte Arbeiten werden mit flüssigem Glanzgold für Keramik vollendet, das auf die glasierte Oberfläche aufgetragen und in einem dritten Brand mit der Glasur verschmolzen wird.
Einige Skulpturen integrieren Kristallelemente, andere entstehen in traditioneller japanischer Raku-Technik. Bestimmte Werke werden zusätzlich mit 23,5-karätigem Blattgold veredelt.
Ornament
Ornament ist für mich keine Verzierung. Es ist Sprache. Eine Spur. Eine Art Landkarte. Vielleicht auch ein Gedicht oder eine Melodie.
Schon im Eiskunstlauf hinterließ ich mit meinen Kufen Spuren auf dem Eis. In einer vierminütigen Kür entstanden durch Sprünge, Pirouetten und verbindende Schritte Zeichnungen im Raum – Linien und Rhythmen, getragen von Musik und Bewegung. Vielleicht begann dort bereits mein Verständnis von Ornament.
Wie die Noten eines Musikstücks tragen Muster Rhythmus und Dynamik in sich. Sie verbinden Formen miteinander, lassen etwas fließen und erzählen von innerer Bewegung.
Wie ein Modeschöpfer ein Kleid entstehen lässt und es durch Schmuck oder Applikationen vollendet, so vollende ich meine Objekte durch Ornament. Es ist kein Zusatz, sondern Teil der Form selbst.
Vom Eiskunstlaufen zum Modellieren: Ich übertrage innere Bewegung durch meine Hände in den Ton. Das Objekt nimmt langsam Form an und beginnt seinen eigenen Tanz.
Raku – Der Zauber des Raku
Die Kunst des Raku hat ihren Ursprung im Japan des 16. Jahrhunderts und steht in engem Zusammenhang mit der japanischen Teezeremonie und den dafür gestalteten Teeschalen.
Dem Töpfer, der diese besonderen Schalen entwickelte, wurde ein goldenes Siegel mit der Inschrift „Raku“ verliehen. Das Wort bedeutet Glück, Freude oder Zufriedenheit. Dieser Name wurde über Jahrhunderte innerhalb von Familiendynastien weitergegeben.
Seit 1922 wurde die Technik auch im Westen zunehmend bekannt und von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern weltweit aufgegriffen, weiterentwickelt und neu interpretiert.
Die Technik des Raku-Brennens
Zuerst forme ich meine Figuren aus grobkörnigem Schamott-Ton, der speziell dafür geeignet ist, starken Temperaturschwankungen standzuhalten. Nach dem Trocknen werden die Arbeiten geschrüht und anschließend glasiert.
Beim eigentlichen Raku-Brand wird das noch rotglühende Werkstück bei etwa 1000 °C mit einer Zange aus dem Gasofen genommen und in eine mit Sägespänen gefüllte Metallkiste gelegt. Die Hitze der Skulptur entzündet dabei das Material. Der Behälter wird anschließend luftdicht verschlossen.
Transformation im Rauch
Durch die schockartige Abkühlung entsteht ein feines Rissnetz in der Glasur – das Craquelé. Gleichzeitig bildet sich durch Rauch und Sauerstoffentzug eine reduzierende Atmosphäre, die in Verbindung mit den Metalloxiden der Glasur farbige, metallische und irisierende Effekte hervorbringt.
Der Rauch dringt in die feinen Risse der Oberfläche ein und lagert dort Kohlenstoff ein.
Unikat im Feuer
Nach dem Abkühlen werden die Arbeiten gereinigt. Nur die Craquelé-Struktur und unglasierte Bereiche bleiben dunkel sichtbar.
Der Prozess entzieht sich weitgehend der Kontrolle. Er folgt eigenen physikalischen Gesetzmäßigkeiten und bringt jedes Mal unterschiedliche Ergebnisse hervor. Jede Skulptur entsteht als einzigartiges Unikat im Feuer.
